Erfolgreiche KiSA-Studie dank Teamwork

team KiSA-Studie

In der letzten Augustwoche 2026 beginnt die Feldphase der KiSA-Studie, doch schon seit dem Herbst 2025 laufen die Vorbereitungsmaßnahmen des Teams auf Hochtouren. Seit 2011 untersucht das LANUK alle drei Jahren in einem Human-Biomonitoring, ob und wenn ja wie stark Kinder zwischen zwei und sechs Jahren durch bestimmte Schadstoffe belastet sind, mit denen sie im Alltag in Kontakt geraten – Vorschulkinder deswegen, da sie gegenüber gesundheitlich relevanten Stoffen wie etwa Weichmachern, Parabenen, Umweltphenolen, Konservierungsstoffen oder Pestiziden empfindlicher reagieren als Jugendliche und Erwachsene. „In der Vorbereitungsphase legen wir fest, welche Stoffgruppen wir analysieren lassen. Wir klären die Finanzierung mit dem NRW-Umweltministerium und kümmern uns unter anderem um die Genehmigung der Studie durch die Ethik-Kommission der Ärztekammer, denn diese brauchen wir für die Untersuchung am Menschen“, sagt Dr. Yvonni Chovolou, die als Toxi­ko­login im Fachbereich „Umweltmedizin, Toxikologie, Epidemiologie, Noxen-Informationssystem“ die bundes­­weit einzigartige Studie wissenschaftlich koordiniert. 

Feldphase ist bestens optimiert

Sind die Termine und alle weiteren Absprachen mit den Kitas erfolgt, beginnen Silvia Sievering und Jennifer Engelmann die Feldphase und sammeln Urin­proben von 250 Kindern. Das ist ein sehr aufwendiges Unterfangen, doch den Ablauf vor Ort haben die beiden mittlerweile derart optimiert, dass sie den Tagesablauf in den Einrichtungen kaum stören. „Wenn die Eltern morgens ihre Kinder bringen, haben wir bereits vor der Kita einen Pavillon aufgebaut und warten dort mit Probe­behältnissen und Informationsmaterialien für die Eltern“, schildert Silvia Sievering den Ablauf. Die Eltern nehmen sämtliche Utensilien mit nach Hause, sammeln den Urin ihres Kindes und füllen die Unterlagen aus. Am nächsten Morgen stehen die beiden LANUK-Mit­ar­beiterinnen erneut vor der Kita und nehmen alles in Empfang. Der zügige Ablauf vor den Kitas wäre ohne die Unterstützung ihrer Kollegin Sabine Lorusso im Vor­feld der Feldphase nicht möglich. Sie packt beispiels­weise die Taschen mit den vielen unter­schiedlichen Probebehältnissen, bereitet die Etiketten vor und beschriftet die Laborröhrchen. Nach Abschluss der Feldphase werden die von Silvia Sievering und Jennifer Engelmann gesammelten Urinproben aufgeteilt und an spezialisierte Labore zur Analyse geschickt. Die Reste der Urinproben werden in eigens für die KiSA-­Studie angeschafften Laborgefrierschränken gelagert und bilden so ein Archiv von Proben. Dies ermöglicht retrospektive Untersuchungen für neue bezie­hungsweise aktuell noch unbekannte Fragestellungen. 

Liegen die Probenergebnisse aus den Laboren vor und hat Jennifer Engelmann sie geprüft und in der Datenbank erfasst, erhalten die Eltern einen Bericht mit den Ergebnissen und deren Einordnung. Sebastian Meschke organisiert und versendet die Ergebnismitteilungen. Zudem werden die Daten wissenschaftlich ausgewertet. Pro Feldphase fallen Daten für 250 Probanden mit über 70 Biomarkern und den Fragebögen an – ein wahrer Schatz, der sich so seit Studienbeginn angehäuft hat. Yvonni Chovolou wertet diese Daten aus und setzt sie in einen wissenschaftlichen Kontext. „Wir schauen uns nicht nur die durchschnittliche Belastung der Kinder an, sondern vor allem statistisch auffällige Werte, Belastungsveränderungen im zeitlichen Verlauf und mögliche Zusammenhänge, bei denen wir eine Be­lastung einer Quelle zuordnen können“, sagt sie. 

Studie liefert frühzeitig Hinweise auf Umweltbelastung

So konnte das Team zum Beispiel nachweisen, dass bei Kindern, die sich mit einem Sonnenschutzmittel eingecremt hatten, außergewöhnlich hohe Werte des potenziell gesundheitsschädlichen Weichmachers Di-­n-hexyl-Phthalat (DnHexP) im Urin festgestellt wurden. Ein Befund, der durch Untersuchungen des Umwelt­bundesamts bestätigt wurde. „Außerdem konnten wir zeigen, dass der Weichmacher aus dem verun­reinigten UV-A-Filter DHHB (Diethylamino-hydroxy­ben­zoyl-­hexyl-Benzoat) in Sonnenschutzmitteln stammt“, sagt Fachbereichsleiter Dr. Martin Kraft. Dank der Studie konnte das LANUK auch dokumentieren, dass zum Beispiel die Belastung der als Konservierungsmittel eingesetzten Parabene nach deren Verboten deutlich zurückging. Zudem veröffentlicht das Team Studienergebnisse als LANUK-Fachberichte wie etwa zum Quer­s­chnitt 2023/24, schreibt wissenschaftliche Publikationen und präsentiert in Person von Yvonni Chovolou und Martin Kraft die KiSA-Studie auf natio­nalen und internationa­len Konferenzen. So ist die KiSA- Studie zu einer echten Erfolgsgeschichte geworden – und nicht nur national, sondern auch international bekannt.

Titelbild: Oberhäuser

Fachbericht 167 | Umwelt und Gesundheit

KiSA-Studie NRW: Schadstoffe im Urin von Kindern

Das LANUK führt seit 2011 alle drei Jahre Human-Biomonitoring-Untersuchungen zur Schadstoffbelastung von Kindern in NRW durch (KiSA-Studie NRW). Im Fokus der Untersuchungen stehen Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren, da sie aufgrund ihres…

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