Die zeitnahe Überwachung des Rheins

Auf 225 Kilometern fließt der Rhein durch NRW, zwischen Rheinkilometer 640 in Bad Honnef und Rheinkilometer 865 in Kleve-Bimmen. Welche Schad­stoffe der Rhein mit sich führt und welche davon über seine Nebenflüsse eingetragen werden, kontrolliert das LANUK im Rahmen der zeitnahen Gewässerüberwachung. Sie dient dem Schutz der Bevölkerung, der Trinkwassergewinnung und dem Gewässerschutz.

Es war eine der schlimmsten Umweltkatastrophen für den Rhein: Das Sandoz-Unglück 1986 bei Basel. Damals brannte eine Lagerhalle des Schweizer Chemie­unternehmens Sandoz. 20 Tonnen des mit Pestiziden und anderen gefährlichen Chemikalien wie Arsen und Phosphor hoch belasteten Löschschaums gelangten in den Rhein, ein massives Fischsterben war die Folge. Als Reaktion auf diesen Störfall weitete die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins das bis dahin geltende Überwachungskonzept aus, um schnell und kontinuierlich Informationen über den Zustand des Rheins zu erhalten. 

Um diesen Anspruch zu erfüllen, unterhält das LANUK ein Netz von mittlerweile insgesamt 20 Messstationen am Rhein und an den Mündungen der großen Rheinnebenflüsse Sieg, Wupper, Erft, Ruhr und Lippe. Eine besondere Rolle spielen die beiden mit Personal besetzten Wasserkontrollstationen in Bad Honnef sowie Kleve-Bimmen, die Teil der Internationalen Messstation Bimmen/Lobith ist. Dort führt ein deutsch-niederländisches Team rund um die Uhr Messungen durch. An den 18 anderen unbesetzten Messstationen wird die regelmäßige Überwachung durch Sondenmessungen und automatisierte Probenahmeschränke gewährleistet. Zudem nimmt das LANUK-Laborschiff Max Prüss regelmäßig Wasserproben auf dem Rhein.

Die zeitnahe Gewässerüberwachung zielt darauf ab, im Rhein plötzlich auftretende Verunreinigungen mit wassergefährdenden Stoffen, die die Gewässergüte oder die Trinkwassergewinnung gravierend beeinflussen könnten, innerhalb weniger Stunden zu erkennen und Behörden und Wasserwerke zu informieren. Erfasst werden in den Messstationen Parameter wie etwa der pH-Wert, der Sauerstoffgehalt, die Leitfähigkeit und die Wassertemperatur. Die Wasserproben werden in den drei LANUK- Laboren der Intensivierten Gewässer­überwachungs-Organisation (INGO) in Duisburg, Kleve-­Bimmen und Bad Honnef über verschiedene Scree­ning-Verfahren untersucht. Dabei wird mithilfe der Gas- oder Flüssig­chroma­tographie überprüft, ob und wenn ja welche or­ga­nischen Schadstoffe in einer Probe enthalten sind. Das Spektrum umfasst leichtflüchtige und schwerflüchtige Substanzen wie Lösungsmittel oder Pflanzen­schutzmittel. Pro Messstation werden so monatlich zwischen 500 und 1.500 Proben analysiert. 

Wird bei der Messung der Proben in einer der beiden Wasserkontrollstationen oder im INGO-Labor in Duisburg eine Überschreitung von Informations­schwel­­len etwa für bestimmte polyzyklische aro­ma­ti­sche Kohlenwasserstoffe (PAK), Biozide, Pflan­zen­schutz­­mittel oder poly­chlo­rierte Biphenyle (PCB) festgestellt, verschickt der LANUK-Fach­be­­­reich „Auftragsmanagement“ umgehend einen Bericht – im Fall des Rheins an den Verteiler des Warn- und Alarmplans Rhein, im Fall der Ruhr an den Verteiler des Warn- und Informationsplans Ruhr. Zudem wird die Bezirksregierung Düsseldorf informiert, da sie die zentrale Meldezentrale für den Rhein ist. 

Dass die Überwachung des Rheins funktioniert, hat sich auch im Jahr 2025 gezeigt. So wurden zum Beispiel in Mischproben des Rheins bei Bad Honnef im Oktober stark erhöhte Konzentrationen des Süßungs­mittels Acesulfam gemessen. Im September wurden im Rhein bei Bimmen und Lobith erhöhte Konzentrationen von Naphthalin und Naphthalin-Verbindungen und im Februar bei Bad Honnef und Bad Godesberg erhöhte Konzentrationen des Herbizids Metazachlor-­SA nachgewiesen. „Die Überwachung des Rheins zeigt Erfolge und unsere Analysetechnik wird immer besser. Durch die gut ineinandergreifenden Meldesysteme haben die Meldungen die Trinkwasserversorger zeitnah erreicht, sodass diese, falls notwendig, Maßnahmen zum Schutz des Trinkwassers einleiten konnten“, sagt Juliane Schrader, die den Fachbereich „Auftragsmanagement“ leitet. Und der Blick in die Zukunft ist verheißungsvoll: Für die Wasserkontrollstation Kleve-­Bimmen ist ein Neubau geplant. Und die Station in Bad Honnef soll umfassend saniert werden. „Damit sind wir für die Überwachung des Rheins für die nächsten Jahrzehnte gut gerüstet“, sagt Juliane Schrader.

Gewässerüber­wachung durch das LANUK

Warn- und Alarmplan Rhein

Titelbild: C. Solibida

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