Die Abteilung „Wasserwirtschaft, Gewässerschutz“ erhebt und sammelt in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung „Zentrale Umweltanalytik“ in NRW Daten zu den Oberflächengewässern und zum Grundwasser und bewertet sie. Ein aufwändiges Prozedere, doch es lohnt sich: Die Daten sind die Basis für viele Entscheidungen. Dies zeigt das Beispiel des Bewirtschaftungsplans, für den das LANUK als zentraler Akteur in NRW fungiert.
Der Bewirtschaftungsplan ist das zentrale Steuerungsinstrument, mit dem NRW die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie umsetzt. Er umfasst die wesentlichen Gewässer und Grundwasservorkommen sowie oberflächennahe Grundwasserleiter und, soweit anthropogene Eingriffe stattfinden, auch tiefere Grundwasserstockwerke. Ziel ist der gute ökologische und chemische Zustand der Gewässer – und beim Grundwasser zusätzlich ein guter mengenmäßiger Zustand. Seit 2024 läuft die Auswertung der seit 2019 fürs Grundwasser und seit 2022 für Oberflächengewässer erhobenen Datengrundlagen für den vierten Bewirtschaftungsplan, der für die Jahre 2028 bis 2033 gelten wird. Die zugehörige Bestandsaufnahme wurde Ende 2025 abgeschlossen. „Der Bewirtschaftungsplan ist der zentrale Plan zur Bewirtschaftung unserer Gewässer, denn daraus resultieren die Bewirtschaftungsziele und das Maßnahmenprogramm“, sagt Dr. Jens Rosenbaum-Mertens, Leiter des Fachbereichs „Wasserrahmenrichtlinie, Hydromorphologie und Chemie der Oberflächengewässer“. NRW erarbeitet die nordrhein-westfälischen Bewirtschaftungsplanbeiträge für die Flussgebietseinheiten (FGE) Rhein, Weser und Ems. Für den deutschen Anteil der FGE Maas ist NRW allein zuständig. Das NRW-Umweltministerium ist gemeinsam mit den anderen Länderministerien für die Koordination und für die Veröffentlichung der Pläne verantwortlich. Das LANUK liefert wichtige Grundlagendaten in Form der Gewässerzustandsbewertungen, die Bezirksregierungen planen die operativen Maßnahmen.
Für das Grundwasser hat das LANUK in NRW für den mengenmäßigen und den chemischen Zustand ein Monitoringmessnetz mit rund 1.500 Messstellen gemeinsam mit den fünf Bezirksregierungen aufgebaut und nimmt so Daten von 275 Grundwasserkörpern auf. Weitere Datenquellen kommen dazu. „Wir werten zusätzlich auch Grundwasserneubildungs- und Sickerwasserdaten aus dem NRW GROWA+2027-Projekt aus, wodurch uns modellierte Nitratkonzentrationen des Sickerwassers aus Einträgen der Landwirtschaft und anderer Quellen vorliegen“, sagt Florian Schindler vom Fachbereich „Grundwasser, Wasserversorgung, Trinkwasser, Lagerstättenabbau“. Daraus können sie eine Gefährdung der Grundwasserkörper ableiten. Für die Analyse des mengenmäßigen Zustands werten sie für jeden Wasserkörper die Grundwasserbilanzen aus. Zudem fließen weitere Daten etwa von Wasserverbänden, Bezirksregierungen und aus der Altlastenerkundung ein. Anhand dieser Informationen und der chemischen Analysedaten der Grundwassermessstellen lässt sich ableiten, ob ein Grundwasserkörper gefährdet ist. „Beim Grundwasser treten Veränderungen erst nach längerer Zeit ein. Deshalb ist es wichtig bei Fragestellungen etwa zum Bergbau, lange Zeitreihen vorweisen zu können, um langfristige Trends zu erkennen“, ergänzt Fachbereichsleiterin Dr. Sabine Bergmann.
Bei den Oberflächengewässern prüft der Fachbereich „Wasserrahmenrichtlinie, Hydromorphologie und Chemie der Oberflächengewässer“ 1.684 Fließ- und 49 Seewasserkörper, also Seen und Talsperren. „Für den aktuellen Bewirtschaftungsplan bewerten wir die Wasserqualität auf Basis der Messergebnisse von 2019 bis 2024, das sind rund 830.000 Einzelmesswerte“, sagt Kai Stieler. Da die Beurteilungswerte in den Gewässern vielerorts überschritten werden, haben die Bezirksregierungen auf Grundlage dieser Ergebnisse bis Ende 2025 die Belastungen abgeleitet, die für die Verfehlung der Bewirtschaftungsziele in den Gewässern verantwortlich sind.
Notwendig ist für den Bewirtschaftungsplan auch, den ökologischen Zustand der Gewässer zu bewerten. Dafür werden die Fische, die Gewässerflora (Wasserpflanzen und Algen) sowie das Makrozoobenthos erfasst. Diese Informationen helfen, den Zustand des Gewässers zu dokumentieren und die Wirksamkeit von Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen zu überprüfen. „Wir haben sehr viel Arbeit in diese Daten investiert. Deshalb freuen wir uns, wenn sie auch für andere Fragestellungen verwendet werden“, sagt Dr. Julia Foerster, Leiterin des Fachbereichs „Ökologie der Oberflächengewässer“. So können Forschende und Naturschutzverbände die LANUK-Informationen zu bestimmten Artengruppen zum Beispiel nutzen, um Verbreitungskarten von Rote-Liste-Arten zu erstellen. Aber auch detailliertere Auswertungen sind möglich. Eine Studentin der Universität Duisburg-Essen hat beispielsweise im Rahmen ihres Praktikums die vorhandenen Daten zur Ibbenbürener Aa ausgewertet. Da derzeit kein Grubenwasser eingeleitet wird, ist die Chlorid-Belastung in einem Teilstück des Gewässers deutlich gesunken. Parallel dazu zeigten sich deutliche Veränderungen in der Zusammensetzung des Makrozoobenthos.
Feststellen lässt sich mit den Daten des Bewirtschaftungsplans auch, ob sich die Belastung durch Schadstoffe verbessert oder verschlechtert hat oder ob Gesetze und Maßnahmen greifen. „Wir können dadurch langfristige Veränderungen beschreiben“, sagt Jens Rosenbaum-Mertens. Die erhobenen Daten werden der Öffentlichkeit über das Fachinformationssystem ELWAS-WEB und das Open-Data-Portal des Landes NRW zur Verfügung gestellt. Sie sind sehr gefragt und werden beispielweise von anderen Behörden und Ingenieurbüros im Zuge von Genehmigungsverfahren wie etwa zum Kraftwerk Datteln IV genutzt.
Titelbild: Oberhäuser
Im Jahr 2025 hat der Fachbereich „Grundwasser, Wasserversorgung, Trinkwasser, Lagerstättenabbau“ im Rahmen des Projekts „GROWA+ NRW 2027“ in Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich die aktuellen Berechnungen zur Nitratkonzentration im Sickerwasser und dem sich daraus ergebenden Stickstoffminderungsbedarf der Landwirtschaft vorgelegt. Ziel war, die verbleibenden räumlichen Belastungsschwerpunkte für die Umsetzung weiterer Stickstoffminderungsmaßnahmen zum Schutz des Grundwassers zu identifizieren und den für die Regionen zu erbringenden Minderungsbedarf der Stickstoffeinträge zu quantifizieren, um so den gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter flächendeckend einzuhalten beziehungsweise zu unterschreiten.
Im Fachinformationssystem ELWAS-WEB veröffentlicht das LANUK Daten zu den Themen Abwasser, Grundwasser, Oberflächengewässer, Trinkwasser und zur EU-Wasserrahmenrichtlinie. Das LANUK hat nun eine interaktive Datenverknüpfungskarte erstellt, die aufzeigt, wie die Datenbanken hinter ELWAS-WEB mit Systemen aus anderen Bereichen wie beispielsweise Abfall, Umwelt und Naturschutz verbunden sind, die zum Teil auch von anderen Behörden wie etwa dem Geologischen Dienst geführt werden. Die Verknüpfungskarte informiert, woher die unterschiedlichen Datensätze stammen, für was sie verwendet werden können, was gesetzliche Grundlagen sind und wer Ansprechperson für die jeweilige Datenbank ist. Ziel ist, die behördeninterne Kommunikation zu erleichtern und das Datenmanagement zu optimieren. Behörden können die Datenverknüpfungskarte in NRW.Connect im Landesverwaltungsnetz einsehen.
Das Fachinformationssystem ELWAS-WEB ermöglicht die Anzeige und die Auswertung eines breiten Spektrums an Wasserdaten in NRW. Mit dem Ziel, ein umfassendes und systematisches Feedback zu ELWAS-WEB einzuholen, führte der Fachbereich „Informationssysteme Wasser“ zwischen Januar und Dezember 2025 eine Umfrage durch. 1.126 Rückmeldungen von Nutzerinnen und Nutzern liegen vor. Von den vielfältigen Nutzergruppen machen Beschäftigte in Landes- und Kommunalbehörden sowie in Ingenieurbüros und Privatpersonen jeweils etwa ein Viertel der Nutzenden aus.
Das ELWAS-WEB wird in Bezug auf intuitive Bedienbarkeit, Gestaltung und Ladegeschwindigkeit überwiegend gut bis mittel bewertet. 313 Kommentare wurden abgegeben, die oft sehr detailliert und aufschlussreich waren. Daraus lassen sich konkrete Anforderungen ableiten, wie das ELWAS-WEB weiterentwickelt werden kann. Geplant ist beispielsweise im Jahr 2026, die Suchfunktion für Karteninhalte hervorzuheben, um Kartenebenen besser finden zu können.
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