Humus monitoren, Boden schützen

Team Vorsorgender Bodenschutz

Humus speichert im Boden Nährstoffe und Wasser, verbessert die Bodenstruktur, puffert pH-Werte und ist zudem ein wichtiger Kohlenstoffspeicher. Dadurch schafft er Lebensräume und Nahrung für Bodenorganismen, fördert das Pflanzenwachstum und hilft im Kampf gegen den Klimawandel – allesamt gute Gründe, warum es sich lohnt, Humus genauer zu beobachten. Das LANUK macht dies, und zwar schon seit dem Jahr 2009 im Rahmen des Humusmonitoringprogramms auf Ackerflächen. In einem dreijährigen Turnus untersucht es den Humusvorrat und dessen Veränderungen auf 45 Äckern in der Westfälischen Bucht, der Niederrheinischen Bucht und dem Niederrheinischen Tiefland. Im Jahr 2024 fand die letzte Erhebung statt, deren Daten eine LANUK-Arbeitsgruppe derzeit auswertet. „Das Humusmonitoring ist neben der Bodenzustands­erhebung im Wald (BZE) und den Bodendauerbeobach­tungsflächen (BDF) ein wichtiger Bestandteil im Boden­monitoringprogramm des LANUK“, sagt Philipp Pohlig. Er koordiniert im Fachbereich „Bodenschutz, Alt­lasten, Ökotoxikologie“ gemeinsam mit Ingrid Stem­pel­mann, Lara von Scherenberg und Dr. Carsten Schilli das Bodenmonitoring und die Zusammenarbeit mit dem für die BZE federführenden Fachbereich „Monitoring, Effi­zienzkontrolle in Naturschutz und Landschaftspflege“.

Erfolgreiche Kooperation

Das Humusmonitoring ruht auf mehreren Schultern: So übernimmt der Geologische Dienst NRW die Probenahme und einen großen Teil der Bodenanalysen. Die Universität Bonn schlüsselt die Kohlenstoffgehalte im Boden analytisch auf, das Forschungszentrum Jülich ist für die Kohlenstoffmodellierung verantwortlich. Die Landwirtschaftskammer NRW hält den wichtigen Kontakt zu den Landwirtinnen und Landwirten, die ihre Flächen zur Verfügung stellen, und das LANUK hält die Fäden des Programms zusammen. „Das ist eine sehr erfolgreiche Kooperation“, bilanziert Philipp Pohlig. Zu den Aufgaben des LANUK zählen etwa die Datenanalyse, das Berichtswesen und die adminis­trative Abwicklung, etwa die Regelung von Aufwandsentschädigungen an die Landwirtinnen und Landwirte, die Flächen bereitstellen. Auch das Datenmanagement ruht in den Händen des LANUK. Die Geografin Lara von Scherenberg, seit April 2025 beim LANUK, bereitet die Daten auf, prüft sie auf Plausibilität, kümmert sich um die Datenhaltung und arbeitet mit an der Auswertung der Daten.

Erst im Sommer 2025 hat sich die vierköpfige Arbeitsgruppe formiert. Doch dank eines effizienten Wissenstransfers haben sie schnell zusammengefunden und analysieren nun die Daten aus dem Probenah­mejahr 2024. „In dem Programm werden beispiels­weise die Gehalte an Stickstoff und organischem Kohlenstoff, der Wassergehalt, der pH-Wert und die Trockenrohdichte erfasst“, sagt Carsten Schilli, der seit Mitte des Jahres beim LANUK und für die Datenauswertung zuständig ist. Daraus wird zum Beispiel der Humusvorrat des Ober- beziehungs­weise Unter­bodens sowie der gesamten Fläche berechnet.  

Aus den bisherigen Auswertungen des Humusmonitorings geht hervor, dass es kein einheitliches, abgesichertes Bild für die drei Großlandschaften gibt. Es sind aber Trends zu erkennen: So zeigen die sandigen Böden der West­fä­lischen Bucht deutlich höhere Humus­gehalte als schluffreiche Lössböden im Niederrheinischen Tiefland oder in der Niederrheinischen Bucht. Die Humusvorräte sind seit 2009 insbesondere an Standorten mit niedrigen Humusge­halten und verstärkter organischer Düngung gestiegen. „Grund dafür ist wahrscheinlich die unterschiedliche Bewirtschaftung der Flächen, Temperatur- und Niederschlagsveränderungen spielen wohl eher eine geringere Rolle“, sagt Carsten Schilli. 

Gefragte Daten

Um solche ersten Trends erhärten zu können, sind Monitoringprogramme wichtig. „Programme wie das Humusmonitoring sind umso wertvoller, je länger sie laufen. Die Entwicklungen im Boden gehen langsam vonstatten, dafür reichen Beobachtungen über einen Zeitraum von zehn oder 20 Jahren nicht aus“, sagt Ingrid Stempelmann, die seit 1995 am LANUK und seinen Vorgängereinrichtungen im Bereich Boden­schutz und Bodenmonitoring arbeitet. Gefragt sind die Daten aber auch schon jetzt. So fließen die Ergebnisse etwa in bundesweite Auswertungen des Umweltbundesamts oder des Thünen-Instituts ein – und auch die beteiligten Landwirtinnen und Landwirte zeigen sich immer wieder interessiert, wie es um den Humusgehalt auf ihren Flächen bestellt ist. 

Wichtig sind die Bodenproben, egal ob aus der Bo­denzustandserhebung im Wald, den Bodendauerbeo­bachtungsflächen oder dem Humusmonitoring, aber auch, weil ein Teil von ihnen konserviert wird – für Frage­stellungen, die in Zukunft möglicherweise aufkommen könnten, wie etwa anorganische oder organische Schad­stoffe sowie mikrobielle Rückstände. „Durch Rückstellproben lassen sich nachträglich aufschlussreiche Zeitreihen bilden, ein echter Vorteil von Monitoringprogrammen“, sagt Carsten Schilli. Das zählt insbesondere beim Thema Boden, der lange Zeit wenig beachtet wurde. „Der Boden ist ein wichtiges Bindeglied zwischen den Umweltmedien Wasser und Luft. Deswegen ist es wichtig, mehr für die Aufklärung und die Wahr­nehmung zu unternehmen“, sagt Lara von Scherenberg.  

Titelbild: Oberhäuser

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