„Schnellere und gezieltere Warnungen“

Das Land NRW erweitert nach dem schweren Stark­regen und Hochwasserereignis 2021 sein Messnetz der Hochwassermeldepegel deutlich. Mit dem Bau von 26 neuen Hochwassermeldepegeln im Jahr 2025 und weiteren zwölf ertüchtigten gewässerkundlichen Pegeln ist das Messnetz um 45 Prozent gewachsen. Warum wird das Messnetz verdichtet?

Martin Brinkmann: Das war notwendig, um die Vor­warnung bei Hochwasserereignissen insbesondere für kleinere Einzugsgebiete wie zum Beispiel im oberen Bereich der Wupper, der Erft und der Rur in der Eifel zu verbessern, welche beim Hochwasser 2021 besonders betroffen waren. Dafür lagen zuvor keine genauen Daten vor. Dadurch kann die Bevölkerung schneller und gezielter gewarnt werden. Die Daten der Hochwas­ser­meldepegel fließen in die landesweiten Hochwasser-­Lageberichte ein. 

Martin Brinkmann arbeitet im Fachbereich
„Hydrologie“ und ist zuständig für über­geordnete Aufgaben im Pegelwesen. Foto: Oberhäuser

Nach welchen Kriterien wurden die Standorte der neuen Meldepegel festgelegt? 

Nach 2021 haben wir gemeinsam mit den Bezirks­­re­gierungen analysiert, an welchen Gewässerabschnitten es noch Lücken im bestehenden Messnetz gibt und wo eine Hochwassergefahr für Bevölkerung und In­fra­struktur besteht. Wir wollten Vorwarnzeiten von mindestens einer Stunde erreichen, um rechtzeitig Schutz­maßnahmen ergreifen zu können. Zudem mussten die Standorte bauliche und hydrologische Voraussetzungen erfüllen, um zum Beispiel bei Hochwasser Abflussmessungen von einer Brücke aus durch­zuführen. Deswegen müssen die Standorte auch bei Hochwasser erreichbar sein und über eine bestimmte Infrastruktur wie Feststrom sowie ein Mobilfunk- und Festnetz verfügen. 

Über welche Messtechnik verfügen die Pegel?

Sie sind so ausgestattet, dass beim Ausfall einzel­ner Komponenten die Datenbereitstellung nicht gefährdet ist. Deshalb haben Hochwassermeldepegel mindestens zwei unterschiedliche Messsensoren für den Wasserstand, zwei Datensammler, welche auf ver­schiedenen Wegen (Mobilfunknetz/DSL, Glasfaser) alle 15 Minuten Daten in die Messnetzzentrale übertra­gen. Die Pegel können automatisch alarmieren, wenn bestimmte Wasserstände überschritten werden. 

Wie wird das Messnetz weiter verbessert? 

Wir werden die Modernisierung der Elektroinstal­la­tionen und der Bausubstanz fortführen sowie die neue Datensammlergeneration einführen. Für die Einbindung in die Hochwasservorhersage werden wir ein umfangreiches Abflussmessprogramm auflegen, das wir durch die Modellierung von extremen Hochwasserereignissen ergänzen. Parallel werden wir mit den Bezirksregierungen weitere Gewässerabschnitte definieren, die für die Verdichtung des Messnetzes notwendig sind. Dabei werden wir neben den eigenen auch Messstellen weiterer Betreiber berücksichtigen und in die Systemstruktur des LANUK einbinden. Weiterhin steht die Über­prüfung der Pegel auf Klimaresilienz hinsichtlich der Hochwassersicherheit für den Pegelstandort an.

Titelbild: Oberhäuser

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