„Recycling muss gelebt werden“

INTERVIEW Abfalltrennung in Großwohnanlagen

Das LANUK hat im Mai 2025 eine Tagung organisiert, um Praxisansätze zur Verbesserung der getrennten Abfallsammlung mit Fokus auf Großwohnanlagen zu diskutieren. Was ist das Problem? 

Nicola Steinbusch: Die Anonymität insbesondere in Großwohnanlagen lädt dazu ein, es mit der Abfall­trennung nicht ganz so genau zu nehmen. Das zeigt sich in überfüllten, fehlerhaft befüllten und übelriechenden Abfallbehältern, neben den Containern abgestellten Abfällen oder verschmutzten Standplätzen. 

Nicola Steinbusch arbeitet im Fachbereich „Kreislaufwirtschaft“. Foto: Oberhäuser

Lässt sich die fehlende Bereitschaft zur Abfalltrennung belegen?

Eine Analyse des Umweltbundesamts zur Zusammensetzung des Restmülls aus privaten Haushalten in Deutschland aus dem Jahr 2020 zeigt, dass pro Einwohner jährlich 50,4 Kilogramm Bioabfälle, 13,1 Kilo­gramm Kunststoffe und Verbunde sowie 5,8 Kilogramm Altglas über den Restmüll entsorgt werden statt über Biotonne, gelbe Tonne/gelben Sack oder Altglas-Container. Auch in anderen Bereichen wie Altpapier, Elektroaltgeräte, Batterien oder Textilien gibt es noch Raum für Verbesserungen. 

Wie wichtig ist die Abfalltrennung für ein erfolgreiches Recycling?

Eine möglichst sortenreine Trennung von Abfällen ist eine wesentliche Voraussetzung für ein hochwerti­ges Recycling. Durch die falsche Entsorgung im Hausmüll ist eine Kreislaufführung der nicht getrennt erfassten Abfällen nicht möglich. Rohstoffpotenziale werden nicht ausgeschöpft, der Ressourcenverbrauch steigt und ambitionierte Recyclingziele werden verfehlt. Das betrifft mittelbar auch das LANUK zum Beispiel als Genehmigungsbehörde für die dualen Systeme. Erfüllen diese die Recyclingquoten für Verpackungsabfälle nicht, kann das ein Indiz für die nicht vollständige Erfüllung der Genehmigungsvoraussetzungen sein. Das LANUK muss in die Prüfung einsteigen. 

 

Wie könnten Lösungsansätze aussehen?

Damit Abfälle ordnungsgemäß und kontinuierlich getrennt werden, müssen alle Beteiligten dauerhaft angesprochen werden. Das hat unsere Tagung gezeigt. Aufklärungsarbeit leisten die Verbraucherzentrale NRW mit ihrem Beratungsangebot, die Initiative „Mülltrennung wirkt“ der dualen Systeme sowie die Abfallberaterinnen und -berater in den Kommunen. Vor Ort ist die mehrsprachige Information der Bewohnerinnen und Bewohner über die richtige Abfalltrennung genauso wichtig wie gut zugängliche und bedarfsgerecht ausgestattete Standplätze, eine regelmäßige Kontrolle der Abfallbehälter und die Sanktionierung falscher Befüllung. Städte wie Duisburg, Dortmund, Köln oder Berlin haben ihre Konzepte auf unserer Tagung vorgestellt. Auch Wohnungsbaugesellschaften/-genossen­schaften müssen diesen Prozess unterstützen. 

Was kann jede und jeder Einzelne dazu beitragen?

Recycling muss gelebt werden. Daher ist es wichtig, sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz seinen Abfall so gut wie möglich getrennt zu entsorgen. 

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