Das Duisburger Laborteam

Team Zeitnahe Gewässerüberwachung

Der Rhein erzählt viele Geschichten, auch auf den 225 Kilometern, die er durch NRW fließt. Welche Schadstoffe wie etwa polychlorierte Biphenyle (PCB), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Pharmaka oder Pflanzenschutzmittelreste er mit sich führt, analysiert das LANUK im Rahmen der zeitnahen Gewässerüberwachung. So werden beispielsweise Tag für Tag Proben an 13 Messstationen entlang des Rheins im mittleren Bereich von NRW und seinen wichtigsten Zuflüssen gesammelt, die dann im LANUK-­Labor in Duisburg untersucht werden. Dort sitzen mit Claudia Lambertz, Dr. Sascha Heinrich und Kerstin Suckel drei Analytikerinnen und Analytiker aus dem Fachbereich „Auftragsmanagement“. Sie messen die Proben, analysieren sie – und sind die ersten, die bei auffälligen Konzentrationen von Schadstoffen Alarm schlagen.

Sechs Tage die Woche ist das Labor besetzt, rund 14.000 Proben landen jedes Jahr bei den Drei auf den Labortischen. Viele der Abläufe sind für das Trio Routine, etwa die Messung schwerflüchtiger Lösungen. „Wir bearbeiten Proben, die uns der Probenahmedienst geliefert hat, und bereiten sie für die Messung durch die Gaschromatographie vor“, erzählt Claudia Lambertz, die bereits seit 1988 am LANUK arbeitet. Liegen die Proben zum Beispiel als 8- oder 12-Stunden-Fraktionen vor, werden sie zu einer 24- oder 48-Stunden-Mischprobe gemischt. Dazu gibt sie eine Standardlösung und reichert die Proben diese über Festphasenextraktion an. Die Probe läuft über eine Kartusche, die dann mit einem Lösungsmittel ausgewaschen wird. „Dieses Eluat wird von uns per Gaschromatographie-Massenspektrometer gemessen, sodass sich Stoffe identifizieren und quanti­fizieren lassen“, sagt sie. Das Verfahren bei den leichtflüchtigen organischen Verunreinigungen aus den Stich­proben der Probenahmestellen und Container verläuft etwas anders. „Wir hängen die wässrige Probe in einem separaten Messaufbau auf, messen und analysieren sie“, sagt Sascha Heinrich, seit Februar 2025 am LANUK. 

Jeder macht und kann alles

In dem Dreierteam gibt es keine klare Arbeits­tei­lung. „Jeder macht alles an jedem Gerät und ist überall einsetzbar“, sagt Kerstin Suckel, seit dem Jahr 1991 am LANUK. Notwendig sei dies, weil Proben auch samstags analysiert werden müssen und das Labor dann nur mit einer Person besetzt ist. Durch diesen Wechselturnus bleiben alle methodisch auf dem neuesten Stand.

LANUK-Laborteams der zeit­­nahen Gewässerüber­wachung wie das Duisbur­ger Trio sind mit die ersten, die eine Schadstoffbelastung im Rhein feststellen. „Stellen wir ungewöhnliche Werte fest, kontrollieren wir anhand unserer Qualitätssicherungsproben, ob das wirklich eine Gewässerverunreinigung sein kann oder ob die Probe nicht beispielsweise durch das Material in der Messstation kontaminiert wurde“, sagt Sascha Heinrich. Liegt tatsächlich eine Gewässerverunreinigung vor, meldet das Team seine Einschätzung an Dorothea Maria Selke oder Ulrike Schweden vom Fachgebiet „Alarmbereitschaft Wasser“. „Die Kolleginnen entschei­den dann, ob noch weitere Probemes­sun­gen notwendig sind, um die Herkunft des Stoffs ein­zugrenzen, und ob die Kriterien des Warn- und Alarmplans Rhein (WAP) oder des Warn- und Informationsplans Ruhr (WIP) dahingehend erfüllt sind, um die Information zu veröffentlichen“, sagt Juliane Schrader. Sie leitet den Fachbereich „Auftragsmanage­ment“ und ist für die zeitnahe Gewässerüberwachung mitverantwortlich. „Das Außer­gewöhnliche an unserem Job ist, dass viele unserer Arbeiten Routine sind. Wenn aber mal Auffälligkeiten auftreten und Grenzwerte überschritten werden, dann nimmt das schnell eine andere Dynamik auf“, erzählt Claudia Lambertz.

Industriechemikalien jeglicher Art gehören nicht in den Fluss

Gezeigt hat sich das zum Beispiel im Mai 2025, als das Team in Mischproben der Ruhr erhöhte Konzentrationen an 2,5,7,11-Tetraoxaundecan maß. „Das war anfänglich ein unbekannter Stoff, der uns bereits im Jahr zuvor aufgefallen war. Gemeinsam mit den anderen LANUK-Laboren gelang es uns dann, diese Substanz zu identifizieren“, sagt Juliane Schrader. So fand das Team heraus, dass es sich um ein Lösungsmittel handelt, das aber nicht sehr toxisch ist. Reagiert wurde trotzdem: „Unser Ansatz ist, dass Industriechemikalien jeglicher Art nicht in den Fluss gehören, egal ob moderat oder sehr schädlich“, sagt sie. Folglich informierte das LANUK die Betreiber von Trink­wasser­gewin­nungsanlagen an der Ruhr, die Wasser­schutzpolizei, die Bezirksregierungen Düsseldorf und Arnsberg sowie die Nachrichtenbereitschaftszentrale des LANUK, um eine Meldung über den WIP abzugeben. Seitdem wurde der Stoff nicht mehr nachgewiesen.

Genau deswegen ist die Arbeit im Duisburger Labor für Sascha Heinrich auch wichtig: „Wenn wir nicht kontrollieren und Alarm schlagen, wer macht es dann?“, fragt er. Sein Anspruch, einer sinnstiftenden Tätigkeit nachzugehen, werde dadurch erfüllt. Ähnlich sieht das Claudia Lambertz: „Wenn man sieht, wie viele Störfälle es früher gab, können wir sagen, dass unsere Tätigkeit dazu beigetragen hat, dass der Rhein nicht mehr so verschmutzt ist.“ 

Titelbild: Oberhäuser

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