NRW hat derzeit rund 1.570 Grundwasser-Messstellen, mit denen das Land im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) den chemischen Zustand von 275 Grundwasserkörpern erfasst. Damit erfüllt es die Vorgabe der EU-Kommission, alle sechs Jahre Zustand und Trend der Grundwasserqualität zu bewerten. Doch dieses repräsentative Messnetz, das im Jahr 2007 von LANUK und Bezirksregierungen aufgebaut wurde, ist in die Jahre gekommen. Im Jahr 2016 startete daher das Projekt, um Funktion und Eignung aller WRRL-Gütemessstellen zu überprüfen, funktionsunfähige Messstellen zu ertüchtigen, ersetzen oder neu zu bauen – eine große Aufgabe.
Beim LANUK kümmert sich derzeit ein sechsköpfiges Team im Fachbereich „Grundwasser, Wasserversorgung, Trinkwasser, Lagerstättenabbau“ um diese Herausforderung. „Wir haben zuerst Messstellen untersucht, die eine besondere Bedeutung für die Ermittlung belasteter Grundwasserkörper und die Ursachenermittlung der jeweiligen Belastungssituation hatten“, erklärt der Hydrogeologe Jens Holthausen, der das Team koordiniert. Mittlerweile sind fast alle Bestandsmessstellen überprüft. Etwa 24 Prozent der alten Bestandsmessstellen mussten ersetzt werden; teilweise sind noch Folgemaßnahmen erforderlich. „Wir sind auf einem guten Weg und sehr zufrieden, dass das Messnetz jetzt wieder in einem guten Zustand ist und die Messstellen qualitätsgesichert sind“, bilanziert der Umweltgeowissenschaftler Martin Staedtler, der seit 2016 am LANUK unter anderem für den Neubau von Messstellen zuständig ist.
Das LANUK-Team betreut beispielsweise die Arbeit eines Ingenieurbüros, das die Messstellen vor Ort aufsucht und prüft, ob sie funktionieren und geeignet sind – und falls nicht, woran das liegt, wie man sie ertüchtigen kann oder ob sie ersetzt werden müssen. Das Büro erstellt für jeden Standort einen Messstellenpass, dessen Informationen Basis für das weitere Prozedere sind. „Wir prüfen die Angaben im Messstellenpass und identifizieren daraus gegebenenfalls den resultierenden Handlungsbedarf“, erklärt Jens Holthausen. Dazu zählt beispielsweise, ob lokale Eintragsquellen die Messstelle beeinflussen können oder aus welchem Grundwasserkörper das Wasser in der Messstelle kommt. „Wir überprüfen auch, ob diese Messstelle repräsentativ für eine bestimmte Landnutzungsart ist“, sagt der Hydrogeologe Muhammad Mashhood, der Messstellen auf Funktion und Eignung überprüft. Das Spannende an dieser Aufgabe aus Sicht des Hydrogeologen Mohamed Mahmoud El Hacen, zuständig für Funktions- und Eignungsprüfungen sowie die Prüfung von neuen Standorten: „Jede Messstelle ist anders: Jede hat ihre eigene Geschichte, ihre eigene Identität.“
Sind Messstellen beschädigt oder verunreinigt, kommt der Hydrogeologe Dr. Christoph Weidner ins Spiel. Er koordiniert Firmen, die technische Maßnahmen an den Messstationen ausführen. „Manchmal werden zum Beispiel Hochdruckreinigungen erforderlich, um Ablagerungen und eingewachsene Wurzeln zu lösen und anschließend auszupumpen oder es müssen Fremdköper wie Maßbänder, Flaschen oder Äste geborgen werden, die in das Rohr gelangt sind“, sagt er. Kleine Reparaturen wie etwa der Austausch von Messstellenkappen übernehmen die Kolleginnen und Kollegen des Fachbereichs „Hydrologie“, die auch regelmäßig Grundwasserstände messen und weitere Funktionsprüfungen durchführen.
Helfen auch solche Maßnahmen nicht mehr weiter, meldet die Bezirksregierung Ersatzbedarf an. Idealerweise verfügen Wasserversorger, Kommunen oder Verbände über Messstellen, die noch nicht Teil des WRRL-Messnetzes sind. „Unsere Aufgabe ist zu prüfen, ob diese dafür geeignet sind“, sagt die Umweltingenieurin Stephanie Kempkes. Sofern unter den bereits bestehenden Messstellen keine geeigneten gefunden werden, muss neu gebaut werden. In den vergangenen Jahren wurden zwischen 40 bis 50 Messstellen pro Jahr neu errichtet und parallel dazu hunderte Messstellen Dritter zur Aufnahme geprüft. Die Planungs- und Errichtungszeit hängt unter anderem davon ab, wie komplex Geologie, Relief und Eigentumsverhältnisse im Grundwasserkörper sind. Nach Vorgabe der WRRL sollen es circa 1.700 Messstationen werden.
Wie wichtig es ist, die Qualität des Grundwassers zu überprüfen, ist dem Team bewusst. „Gut 72 Prozent des Trinkwassers in NRW kommt aus dem Grundwasser“, sagt Martin Staedtler. Deswegen, ergänzt sein Kollege Christoph Weidner, sei das Grundwasser ein meist unsichtbarer Schatz unten im Dunklen, der beschützt werden müsse. Spannend macht die Aufgabe auch, dass sich ein Team mit einem sehr breiten fachlichen Wissen zusammengefunden hat. „Wir bringen die unterschiedlichsten Disziplinen ein, von der Geologie und Hydrogeologie über die Chemie bis zur Datenanalyse“, sagt Mohamed Mahmoud El Hacen. Dadurch ergänzt sich das Team bestens – und knifflige Fragen zu einer Messstelle bleiben eigentlich nie unbeantwortet.
Titelbild: Oberhäuser
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