In der Wasserwirtschaft endet ein Jahr bereits mit dem Monat Oktober. Beim Landesamt für Natur, Umwelt und Klima wurde deshalb am 30. Oktober 2026 Bilanz über den Wasseraushalt im zurückliegenden hydrologischen Jahr gezogen.
In den vergangenen zwölf Monaten sind in der Summe rund 701 Millimeter Niederschlag gefallen. Das sind im Durchschnitt 147 Liter weniger pro Quadratmeter bzw. minus 17,3 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel. Nur in den Monaten Februar und Mai 2026 gab es überdurchschnittliche Regenmengen, die das Gesamtdefizit aber nicht ausgleichen konnten. Die besondere Herausforderung dieses Jahres lag für die gesamte Wasserwirtschaft vor allem in der langen Trockenperiode des zurückliegenden Sommers.
„Ende September 2026 zeigten 187 von 218 ausgewerteten Pegeln an nordrhein-westfälischen Gewässern Niedrigwasser an,“ beschrieb die Präsidentin des LANUK , Elke Reichert, die Situation. „Die Pegel der übrigen Gewässer befanden sich zu dem Zeitpunkt auch nur knapp darüber. In einigen Talsperren sanken die Füllstände ungewöhnlich schnell ab, weil aus den Einzugsgebieten der Flüsse deutlich weniger Wasser zufließen konnte.“
Mit durchschnittlich 149 Litern pro Quadratmeter fielen in den Sommermonaten in Nordrhein-Westfalen 38 Prozent weniger Regen als im Mittel über die Jahre 1961 bis 1990. Gleichzeitig herrschten im Sommer 2026 hohe Temperaturen. Mit 19,5 °C lag die durchschnittliche Temperatur im Sommer 2026 im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990 um 3,2 Grad höher. Elke Reichert erklärte: „Die höheren Temperaturen führen dazu, dass die ohnehin geringen Niederschläge noch schneller verdunsten. Das Wasser fehlt deshalb in Böden und Gewässern.“
Verbunden mit den niedrigen Pegelständen der Gewässer wurden seit Juli immer wieder Schadstoffe im Rhein und in Nebengewässern nachgewiesen. Dazu gehörten erhöhte Befunde von Arzneimittelwirkstoffen, Lösemitteln und weiterer Industriechemikalien. Anhand von Messreihen konnte gezeigt werden, dass Konzentrationen aufgrund der andauernden Niedrigwasser-Situation ansteigen konnten, so dass zum Teil Meldeschwellen überschritten wurden. Die Messreihen und die Bewertung der Ergebnisse sind lückenlos auf der Internetseite des LANUK unter https://www.lanuk.nrw.de/service/umweltereignisse dokumentiert.
Auch an den Grundwasserständen können die Auswirkungen des Niederschlagsdefizits abgelesen werden. Unter Berücksichtigung der jahreszeitlich bedingten Schwankungen befinden sich die Grundwasserstände verglichen mit langjährigen Mittelwerten bis heute auf einem insgesamt sehr niedrigen bis maximal mittleren Niveau. Der Anteil der Grundwassermessstellen mit niedrigen und sehr niedrigen Grundwasserständen ist noch nicht so stark ausgeprägt wie in den Dürrejahren 2018, 2019 und 2022, bewegt sich aber mit 70 % der Messstellen in einer ähnlichen Größenordnung.
LANUK-Präsidentin Elke Reichert fasste die Bilanz zusammen: „Der Wasserhaushalt war wieder von Extremen geprägt. In diesem Jahr haben uns Hitze und Dürre stark beschäftigt, in anderen Jahren waren es Starkregen und Hochwasser.“ Durch den Klimawandel gebe es immer mehr stabile Extremwetterlagen. Die Herausforderung bestehe darin, den Folgen der klimatischen Veränderungen zu begegnen und unsere Wasserressourcen zu schützen. „Es geht schon lange nicht mehr um abstrakte Szenarien. Wir spüren und erleben die Folgen des Klimawandels im alltäglichen Leben. Deshalb müssen die Themen Klimaschutz und Klimaanpassung ganzheitlich gedacht werden. Mit den Daten und Informationen des LANUK gibt es eine gesicherte Datengrundlage für notwendige Maßnahmen zum Schutz von Menschen und Natur vor den unterschiedlichen Folgen des Klimawandels. Der Handlungsbedarf wurde durch den heißen und trockenen Sommer 2026 einmal mehr verdeutlicht.“
Weitere Informationen und wasserwirtschaftliche Daten:
https://www.lanuk.nrw.de/themen/wasser/hydrologische-messnetze/hydrologische-berichte
Aktuelle Informationen zur Wasserständen und Niederschlägen in Nordrheinwestfalen.:
