INTERVIEW LIFE Wiesenvögel
Seit Oktober 2020 setzt das LANUK als Projektträger gemeinsam mit elf Partnern das LIFE-Projekt „Wiesenvögel NRW“ um. Ziel ist, die Bestände wiesenbrütender Vogelarten in acht EU-Vogelschutzgebieten des NRW-Tieflands zu sichern. Wie fällt die Zwischenbilanz aus?
Dr. Petra Löttker: Wir haben 125 Hektar Grünland gekauft. Gehören die Flächen dem Land, lassen sich Schutzmaßnahmen für Kiebitz, Uferschnepfe und Co. am besten umsetzen. Diese Arten mögen es am liebsten richtig nass. Deswegen haben wir das Grünland wieder vernässt. Dazu haben wir beispielsweise 40 Mulden und Senken angelegt und umgestaltet, auf acht Hektar Drainagen aufgehoben, mehr als acht Kilometer Gräben abgeflacht und auf drei Kilometern sogar ganz verfüllt. Außerdem schützen wir Nester mit mobilen Elektrozäunen vor Prädatoren wie Fuchs und Waschbär.

Gibt es bereits Erfolge zu vermelden?
In vielen unserer über 40 Maßnahmenräume steht wieder mehr Wasser und die Landschaft zeigt wieder mehr Offenlandcharakter. Beides ist für Wiesenbrüter elementar wichtig. Dank der Schutzzäune konnten wir die Zahl der schlüpfenden Küken beim Kiebitz von 63 auf 93 Prozent und beim Großen Brachvogel von 48 auf 89 Prozent steigern. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Außerdem haben sich die Bestände bei einigen Zielarten wie der Löffel- und der Knäkente wieder erhöht.
Welche Lehren haben Sie gezogen?
Der Bruterfolg ist immer noch zu schlecht, wir müssen mehr Junge flügge bekommen. Dazu müssen wir das Prädationsmanagement deutlich ausdehnen und parallel die Qualität der Lebensräume weiter verbessern. Das ist in Zeiten des Klimawandels eine enorme Herausforderung. Nicht nur trockene Jahre sind ein Problem für die Wiesenvögel, auch Starkregen ist schwierig, weil dadurch Nester überflutet werden.
Das Projekt läuft bis 2027. Was gibt es noch zu tun?
Wir führen unsere Maßnahmen fort und versuchen, sie über das Projekt hinaus zu ergänzen. Gleichzeitig rücken Monitoring, Datenauswertung sowie die Aufbereitung und Vermittlung der Ergebnisse in den Fokus. Dazu zählt, dass wir unter anderem anhand einer Drohnenbefliegung analysieren, wie sich der Wasserhaushalt im Vergleich zum Projektstart verbessert hat. Parallel zählen wir weiterhin die Brut- und Rastbestände, um herauszufinden, ob die Maßnahmen schon so erfolgreich waren, dass die Bestände wieder zunehmen. Wir setzen unsere intensive Öffentlichkeitsarbeit mit Führungen in die Projektgebiete fort, erstellen eine Broschüre zu den Vogelschutzgebieten im Projekt, laden zu Workshops ein und werden zwei Tagungen veranstalten.
Titelbild: D. Reich
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